Bewusstsein in Bewegung – Coaching fürs Leben

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Archiv für den Monat Januar 2013

Haltungen zum Leben

Die Haltung, die wir zum Leben einnehmen, ist von entscheidender Bedeutung. Vieles hängt von ihr ab. Haltung bedeutet, welche Beziehung habe ich zum Leben? Zum eigenen Leben? Zum Leben anderer? Zum Leben als irdischem Phänomen schlechthin?
Wie und wodurch ist diese Beziehung, diese Haltung charakterisiert?
Die Haltung zum Leben zeigt sich in unserer Haltung zu uns selbst, unserer Familie, Freunden, der Arbeit und dem, was damit zusammenhängt, zur Gesundheit usw.

Durch Dankbarkeit? Kann ich das Leben als Geschenk sehen? Als etwas ganz Einzigartiges? Etwas, das mir geschenkt wurde und nicht selbstverständlich ist? Als etwas, wie ein lebendiges Wesen, zu dem ich eine Beziehung habe und zu dem ich eine Beziehung pflegen, aufbauen und entwickeln kann?

Liebe das Leben – und das Leben liebt Dich… !?!!

Zum Beispiel Dankend? Durch Bejahung? Durch eine bittende Haltung auch? Indem ich meine Beziehung zum Leben segne – durch einen Lichtstrahl aus meinem Herzen? Etwas, das ich lieben darf? Wertschätzend zum Leben in mir und zum Leben der Anderen?
Kann ich mit dem Leben umgehen wie mit einer Beziehung? Indem ich etwas für diese Beziehung gebe und leiste, manchmal auch zugunsten etwas anderem auf etwas verzichte? Kann ich ein Gefühl von Liebe für das Leben empfinden?

Leben ist nicht selbstverständlich. Schon bei unserer Zeugung kamen fast unendliche Zufälle zusammen, dass dieser unser Vater und diese unsere Mutter sich trafen. Ausgerechnet diese eine Eizelle und dieses eine Spermium sich vereinigten und die Grundlage unseres Seins wurden. Auch die Geburt – ein Wagnis. Dennoch hat es geklappt und war erfolgreich. Eine Reihe von Erfolgen hintereinander…
Durch die Kraft des Zufalls, der Stringenz von Informationsweitergabe und Weiterentwicklung. Durch die Bewegung des Fortschritts. Durch die Wege der Liebe sind wir geworden. Eine Verbindung von Gegensätzen. Eine Tür öffnet sich. Willkommen im Sein. Leben ist ein Phänomen. Ein Phänomen des Planeten Erde. Es übersteigt unser Verstehen und unsere Frage nach dem Sinn. Wie Fische, die im Ozean schwimmen und den Ozean weder in seiner kompletten Tiefe, seiner Ausdehnung erfassen noch in Ruhe von oben betrachten können, sind wir, was das Leben betrifft, lediglich dazu in der Lage, Teilaspekte des Lebens wahrzunehmen. In seiner Gänze, Größe und Tiefe erfassen wir es nicht. Wir sind darin.

Geht in uns das Leben weiter, wird es fortgeführt, was in unseren Vorfahren schon da war? Fortgeführt und etwas Neues hinzugefügt? Geht es um das Leben selbst oder ist das Leben Selbstzweck?
Es ist unsere Wahl, wie wir die Beziehung zu all dem weiterentwickeln, betrachten, verändern, gestalten. In unseren Händen. In unserem Geist.

Wenn Fragen Antworten erschaffen könnten… und Wirkungen hätten…

Wie ist meine Beziehung zum Leben? Wie bewerte ich es? Wodurch ist die Beziehung, die ich zum Leben habe, charakterisiert? Oder wie sollte es statt dessen sein? Was hätte ich gerne statt dessen?

Das Leben als etwas ganz besonderes, als ein wundervolles Geschenk, voller Energie und Gestaltungsspielräumen wahrzunehmen?
Etwas, das mir zurückschenkt, wenn ich mich ihm schenke, hingebe? In Geben und Nehmen?

Habe ich gelernt, das das Leben etwas ist, das von mir pausenlos kontrolliert werden muss? Das schwer ist? Gegen mich? Gefährlich? Ungerecht? Feindselig? Habe ich meine Einschätzungen und Bewertungen des Lebens einfach automatisiert als Reaktion auf das, was war, entwickelt?
Kann ich meine Erfahrungen mit dem Leben und die meiner Vorfahren anerkennen, wertschätzend betrachten? Ihnen im Herzen zustimmen und dann weitergehen? Meiner eigenen Lebensgeschichte zustimmen? Auf zu neuen, anderen, erfüllenderen Erfahrungen? Mich für die andere Seite öffnen von Schmerz, Trauer und Einsamkeit? In denen das Glück ganz unwillkürlich von allen Seiten kommt?
Leben als ein Phänomen, unerklärlich, groß, schön, aufregend, immer neu, erfüllt mit Liebe, voller sicherheitgebender Rituale, stark, sich vervielfältigend, bereichernd, entgegenkommend, mehr und mehr und mehr….

Das Leben und ich…

Ist das Leben ausserhalb von mir oder fühle ich, wie ich darin bin, ein Teil des Lebens? Kann ich Ja zum Leben sagen? Und Danke? Und mein Leben segnen? Also mit Wohlwollen betrachten? Das Jetzt, die Vergangenheit, das Morgen? Bittend meine Hände nach vorne ausstrecken? Welche Wirkungen würde das haben? Kann ich meine Beziehung zum Leben als ein lebendiges Geschöpf sehen? Als Bild gemalt – wie sieht es aus? Welche Teile von mir kann ich in diesem Geschöpf deutlich wahrnehmen, spüren, identifizieren? Wie geht es diesem Geschöpf? Wie sieht es aus? Wie fühlt es sich? Was würde es sagen, wenn es sprechen könnte? Was braucht es, welche Bedürfnisse hat es vielleicht? Wo will es mit mir hin?

Bewegung ins Leben

Ein Wesensmerkmal des Lebens ist Bewegung. Um geboren zu werden, war Bewegung erforderlich.
Wurde meine Bewegung ins Leben unterbrochen, gestoppt, verlangsamt? Hat sie mir Angst gemacht? Wie ist meine Bewegung relativ zur Lebensbewegung schlechthin?
Bewege ich mich ins Leben hinein, gehe ich auf das Leben zu, lasse ich mich ein? Mag ich Ja sagen zur Bewegung des Lebens? Mag ich mir die Erlaubnis geben, die gestoppte, unterbrochene, verlangsamte Bewegung meiner Seele ins Leben wieder aufzunehmen oder erstmalig zu beginnen?
Wenn das Leben ein Fluss ist, schwimme ich mit dem Strom, seitlich oder dagegen? Inwieweit lasse ich mich von ihm vertrauensvoll tragen?

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Stärken stärken

Ein wenig möchte ich übertreiben. Um den Zusammenhang zu verdeutlichen. Was wissen wir über uns, was haben wir über uns gelernt durch viele Rückmeldungen, wenn wir unsere Schulzeit beendet haben? Sind wir uns unserer Stärken oder unserer Schwächen bewusster geworden, wenn die Schulzeit beendet ist? Aufgrund der Antworten von vielen Menschen entsteht der Eindruck, dass wir sehr viel über unsere Schwächen gelernt haben. Unsere Stärken bleiben uns jedoch eher unklar, nebulös.

Energy flows where attention goes

Nun besagt ein wesentliches Gesetz der Physik dieses Universums, dass Energie dorthin fließt, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Es hat Wirkungen, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Defizite und Schwächen halten. Umgekehrt genauso.
Wenn ich Menschen bitte, mir spontan fünf ihrer Stärken zu nennen, ernte ich überraschte Blicke, Schulterzucken, ja oft Hilf- und Ratlosigkeit. Umgekehrt funktioniert es hervorragend. Das Benennen von Schwächen, Defiziten und in unseren Augen eher negativen Verhaltensbeschreibungen gelingt schnell, präzise, spontan, leicht. Wir scheinen oft in der Selbstabwertung geübter und erfahrener zu sein. Ganz unwillkürlich gelingt uns das mit Leichtigkeit.

Selbstbewusstsein bedeutet, sich der eigenen Stärken aber auch Grenzen bewusst zu sein. Zu wissen wer man ist.

Seltsam. Wir haben also gelernt, die Beziehung zu uns selbst eher an defizitären Beschreibungen auszurichten. Ist das ein Merkmal einer liebevollen, achtungsvollen Beziehung zu uns selbst?

Gleichzeitig spukt aber der Auftrag, unseren Nächsten so zu lieben, wie uns selbst, in unserem Kollektiv herum. Eigenartig, dachte ich mir. Wie können wir unseren Nächsten lieben, wenn wir für uns selbst eher abwertende Beschreibungen in uns tragen? Wie können wir unseren Nächsten auch nur gelten lassen, ihm zustimmen, wie er ist, ihn freilassen, so zu sein, wie er möchte, wenn wir uns selbst permanent abwerten? Und damit diese Teile von uns, die wir ja ganz offensichtlich an uns selbst nicht mögen, im Anderen bekämpfen müssen? Also unsere Selbstabwertung unbewusst auf andere übertragen?

Worauf weist uns die Schwierigkeit, unsere Stärken klar und deutlich wahrnehmen und artikulieren zu können, eigentlich hin?
Ich möchte, was die Antwort betrifft, die Hypothese einführen, dass es ein Hinweis darauf ist, wie sehr oder wie wenig wir in Kontakt sind mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen. Mein Bild ist, dass es sich um einen Hinweis darauf handelt, in welchem Umfang wir in Kontakt mit den echten, vitalen Bedürfnissen unseres Selbst und Seins sind. Wie nah oder fern wir uns der Essenz unseres Daseins befinden. Und wie sehr vielleicht Selbstabwertung oder Selbstablehnung oder Selbsthass an die Stelle getreten sind, wo wir uns selbst schätzen, akzeptieren, überhaupt mit unseren Gefühlen und vitalen Bedürfnissen wahrnehmen und entsprechend gelernt haben, zu handeln und für uns selbst einzutreten, ohne anderen die Macht über uns zu geben, uns zu manipulieren. Haben wir schon die Stärke der Selbstverantwortlichkeit entwickelt oder ist dieses Gefühl noch unvorstellbar neu oder fremd oder angsterzeugend?

Aber Achtung: ich spreche hier nicht von Egotripps. Sondern von der Entwicklung einer liebe- und achtungsvollen Beziehung zu uns selbst, die uns eine gesunde Abgrenzung gegenüber den Manipulationen und Missbrauchsversuchen der Umwelt beschützt. Von einer kongruenten und autonomen Daseinsweise. Von einem Weg in ein selbstverantwortlicheres Dasein. Dem Weg ein Individuum zu werden.

Aggression

Ist es auch ein Hinweis darauf, ob und wie stark wir schon ein Konzept von Abgrenzung entwickeln konnten, indem wir unsere Aggression nicht ablehnen sondern als einen schützenden, vitalen Lebensimpuls schätzen gelernt haben? Statt uns dafür zu schämen, dass wir aggressive Impulse in uns tragen. Schuldgefühle entwickeln für diese vitalen Impulse? Und uns dafür heimlich abwerten, hassen und versuchen, uns selbst zu zerstören, indem wir diese „schlechten“ aggressiven Impulse zu überwinden versuchen, um einen „besseren“ Gutmenschen aus uns zu machen? Können wir schon sehen, dass Aggression allerorten wirkt und einer der Motoren des Lebens, ja dieses Kosmos schlechthin ist? Aggression wird gemeinhin als „negativ“ bewertet. Abgewertet. Oft auch mit dem Attribut des männlichen Versehen mit dem unbewussten Wunsch, die Aggression zu kontrollieren oder auszumerzen. Ist nicht der Krieg, also die Aggression schlechthin, der Vater vieler Dinge? Verdanken wir nicht den aggressiven Kräften der Vergangenheit die Mehrzahl unserer Errungenschaften im Bereich Soziales, Technik, Medizin, den Frieden in Europa usw.? Will das nicht anerkannt werden?
Es besteht oft sogar ein unbewusstes Verbot dafür, die eigene Aggression haben und auf eine konstruktiv-abgrenzende Weise nutzen zu dürfen. Der Zugang zu den Teilen unseres Selbst, welche der gesunden Abgrenzung dienen, ist verstellt, unsichtbar oder sogar eklatant verboten.

Dies ist einer der tiefen Grundbewegungen, die in Depression und BurnOut führen. Sie ist ein Motor menschlicher Destruktivität, weil sich die unvollständige Beziehung zur Aggression und das Verbot zu einem gesunden „Nein“ zur Abgrenzung des eigenen energetischen Spaces um die eigene Person schwächend auswirken, destabilisieren und destruktiv gegen die eigene Person und / oder andere. Sie verhindern autonomes Sein und das Erkennen von Wahlmöglichkeiten. Diese Haltung ist auch bei Abhängigkeiten und Missbrauch in ihren vielfältigen Gesichtern beteiligt. Missbrauch existiert nicht nur auf der körperlichen Ebene, sondern ebenso auf den emotionalen, mentalen und spirituellen Ebenen unseres Daseins. Und er existiert sowohl im persönlichen, zwischenmenschlichen wie auch im kollektiven Bereich.

Von daher haben wir oft das Gefühl, nicht wir selbst zu sein. Wir spüren, dass uns etwas fehlt, wissen aber nicht was. Leiden unter unserem Empfinden, an uns selbst vorbeizuleben. Haben Ängste. Und fürchten uns heimlich vor Persönlichkeiten, die in Kontakt mit ihren Gefühlen auf uns selbstbestimmt und kongruent wirken, d.h. in Einklang mit ihren Bedürfnissen und Empfindungen sind, dieses auch zum Ausdruck bringen und danach handeln. Schämen uns ganz heimlich dafür, dass wir nicht so sind wie diese Menschen. Wissen wir doch tief in uns um dieses Sehnen, auch so sein zu wollen.

Ein gesunder Zugang zur eigenen Aggression ist ein Lernprozess. Er braucht u.a. Zeit, die eigene Erlaubnis für Veränderungen und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen.
Natürlich gibt es auch eine fehlgeleitete Aggression, die sich gegen andere oder gegen die eigene Person richtet. Das sind Hinweise darauf, dass die eigenen aggressiven Impulse noch nicht auf eine gesunde Weise ins die eigene Persönlichkeit integriert werden konnten. So brauchen wir Feindbilder, etwas „Böses“, das wir abwerten, bekämpfen, vernichten können.
Eine positiv integrierte Beziehung zur Aggression macht handlungsfähig. Unterstützt uns dabei, frei zu sein für den eigenen Weg und hilft dabei, ohne Schuldgefühle autonome Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen. Hilft dabei, mehr bei sich zu sein anstatt bei anderen. Wir können sogar das Wort „NEIN“ zu anderen Menschen sagen, ohne uns schuldig zu fühlen und Angst davor zu haben, was andere über uns denken könnten. Wie oft sagen wir bisher „Ja“ obwohl wir innerlich „nein“ meinen? Die Kraft zum Selbstausdruck und zu einer gesunden, konstruktiven Selbstabgrenzung stammt u.a. aus der eigenen Aggression!

Vitale Lebensenergien

Die Aggression ist nicht das einzige abgespaltene vitale Lebensgefühl. Sie steht hier stellvertretend für eine ganze Reihe weiterer Gefühle, also Energien, die unsere Existenz steuernd und erfüllend begleiten (wollen), und auf die wir im Verlauf unserer Individuation vielleicht verzichtet haben bzw. verzichten mussten. Zum Beispiel weil es die Folge war von Überlebensstrategien oder der Anpassung an traumatisierte Eltern(teile).

Das heißt, manchmal müssen wir etwas innerlich von unserem gesunden Selbst aufgeben und loslassen, was eigentlich zu uns gehört. Wir haben dann später vielleicht das Gefühl, etwas verloren zu haben, etwas zu vermissen, dass uns etwas fehlt. Und manchmal müssen wir etwas aufnehmen, in uns fortführen und mit uns tragen, was gar nicht zu unserem Selbst gehört. Wir haben dann vielleicht das Empfinden, etwas Schweres mit uns herumzutragen, dass uns etwas bedrückt, belastet, blockiert. Wir fühlen uns, wie immer der genaue Zusammenhang bei uns auch sein mag, blockiert und innerlich gebremst im vollen Vollzug unseres Lebens und ohne die vitale Lebenskraft, von der wir in unserer Tiefe spüren, dass sie ein natürlicher Teil von uns ist.

Aber wir waren ursprünglich bei den Stärken. Der Zusammenhang ist, eine Bereitschaft für die Erlaubnis zu entwickeln, Stärken, Ressourcen und Kraftquellen bei sich selbst zu entdecken. Den Weg zur eigenen Power zu beginnen. Das Wissen und der zunehmende Kontakt mit der eigenen Kraft, denn darum handelt es sich ja, erzeugt ein neues, positives Lebensgefühl. Gibt mehr Sicherheit. Setzt Neues in Gang.
Die Frage ist: bin ich bereit, Neues über mich zu lernen und längst Vorhandenes in meinen Wahrnehmungsfokus zu lenken?
In Kontakt zu kommen mit den gesunden, starken Anteilen unseres Selbst. Berührt zu werden von der Essenz unseres Daseins.
Wie finden wir einen Zugang zu unseren Stärken? In unseren Schwächen zum Beispiel. In dem, was wir an uns abwerten. Und hinter dem Schweren, Traurigen, den Verlusten, dem Schmerz unseres Lebens. Klingt das provokant? Das ist gar nicht die Absicht. Hinter der erwachsenen Anerkennung des Schweren, des Schmerzes, unseres Leidens und unseren Lebensleistungen wartet eine noch unbekannte Kraft auf uns. Durch die Anerkennung unserer Vergangenheit als wesentlichem Teil unserer Biographie wie sie war. Durch ein Umschalten unserer eigenen Bewertungen für uns selbst. Durch die Suche nach einem Zugang zu unserem Selbst. Durch das Weglassen der Frage nach dem „warum“ etwas so war und durch den Ersatz des „warum?“ durch ein „wozu?“ Durch das Beenden der Vorwürfe an andere und durch das Beenden der Idee, unsere Eltern oder unsere Kindheit trügen die Verantwortung für unsere heutigen Probleme ganz allein. Durch das Verändern der Umgangsweise mit der Vergangenheit und dem Heute. Durch einen konstruktiven Umgang mit den verinnerlichten Bildern.
Und mithilfe einer Reihe von Fragen und anregenden Einladungen zu veränderten Blickwinkeln, die wir in der Fortbildung „Systemische Beratung“ gemeinsam entwickelt haben (http://www.peter-klein.eu). In Coachings, als Einzelberatung oder in kreativen Gruppenarbeiten gelingt es oft mit Leichtigkeit, einen Zugang zu dem zu bekommen, was wir vermissen, was uns fehlt. In der Elternberatung finden Sie Möglichkeiten und neue Handlungsspielräume, Ihr Kind zu stärken. Mehr dazu finden Sie auf meiner Homepage.

Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, mir eine Liste meiner Stärken anzufertigen? Mir meine Stärken bewusst zu machen, mir zu erlauben, Stärken zu haben. Auf die Kraft zu schauen, die hinter dem Unvollkommenen und Schwerem steht und mich hat überleben lassen, egal was war und geschah?
Was sind Stärken? Zum Beispiel Verlässlichkeit, Zuverlässigkeit, Sensibilität, Einfühlungsvermögen, Kompetenz, Kreativität, Neugierde, Belastbarkeit….

Wahrnehmung und Veränderung

Was bedeutet Wahrnehmung?

Wahrnehmung ist die Nutzung und Interpretation von Sinnesreizen, die uns unser Körper vermittelt. Sie ermöglicht uns eine Interpretation der Welt in uns und um uns. Die Interpretation geschieht dann mithilfe komplizierter Prozesse, die sich wechselseitig beeinflussen, in unserem Gehirn.
Interpretation bedeutet letztlich dass wir die Welt um uns und in uns interpretieren. Das heißt, alles was wir wahrnehmen, wird von uns gedeutet. Deshalb haben alle Menschen unterschiedliche Wahrnehmungen und Interpretationen der Welt. Diesen Text hier zum Beispiel werden Sie anders wahrnehmen und optisch wie inhaltlich anders interpretieren als eine andere Person.

Nicht zwei Menschen nehmen die Welt genau gleich wahr und deuten sie auf exakt die gleiche Weise. Sondern unterschiedlich. Es sind die Unterschiede, welche die Spannung und Bewegung erzeugen, die sich in fast unendlich vielfältiger Weise im Leben ergeben.

Vertrauen in die Wahrnehmung

Was bedeutet es, der eigenen Wahrnehmung Vertrauen zu schenken? Wissen wir eigentlich in einem Teil unseres Selbst was wir brauchen? Wir wollen? Wohin die Reise für uns geht?
Hat man Ihnen als Kind erzählt wie Sie die Welt zu deuten haben? Sie irritiert? Oder hat man Sie darin bestärkt, Ihrer Wahrnehmung zu vertrauen, sich auf sie zu verlassen und dem entsprechend -sich Ihrer selbst bewusst – zu handeln?

Wahrnehmung ermöglicht Bewusstsein
Durch das wahrnehmen unserer Umwelt mithilfe unserer diversen Körpersinne werden wir uns der Welt bewusst. Und bekommen auch eine mehr bestimmte oder auch unbestimmte Idee von dem, was wir glauben zu sein. Von Identität. Von Wille und Abgrenzung von anderen um uns

Die weiße Wand

Ein weiser Lehrer deutete auf die Wand hinter sich und fragte seinen Schüler „Was siehst du?“ Dieser betrachtete die Wand und antwortete schließlich „Einen schwarzen Punkt.“ Der Lehrer gab zur Antwort „Den kleinen Makel, den winzigen schwarzen Punkt, den siehst du. Ihm schenkst du deine Aufmerksamkeit, deine Zeit und Energie. Die große weiße Wand jedoch, die siehst du nicht.“

Ich nenne es Fokussierung auf das Defizit.
Dies ist ein entwicklungsgeschichtlich gewachsenes, bedeutsames und wichtiges Verhaltensmuster. Wir bemerken die Makel. Das schützt uns vor Gefahr. Verlieren wir jedoch das Größere aus dem Blick, verengt sich unsere Wahrnehmung immer mehr, bis wir, oft auch in der Beziehung zu uns selbst, nur noch das Makel, das Defizitäre, wahrnehmen (können). Und werten uns selbst immer mehr ab. Unbewusst. Vollautomatisch.
Ich nenne es das Phänomen der perfektionierten Selbstabwertung.

Wahrnehmung verändern

Wahrnehmung verändern heißt Beziehung verändern. Und Beziehung verändern ermöglicht wiederum, Wahrnehmung zu verändern. Verändern bedeutet in diesem Kontext: erweitern. Mehr wahrnehmen. Neues wahrnehmen. Vom Tunnelblick zum Schauen, Fühlen, wahrnehmen von Weite. Von anderen, bisher von uns unerkannten Aspekten eines Phänomens, einer Erinnerung, der Bewertung unserer Vergangenheit zum Beispiel.

Das Gute im Anderen wahrnehmen

Verändernd wirkt weniger das so oft resultatlos vorgeschlagene positive Denken. Es führt eher zu Stress, weil es zum aufrechterhalten der Probleme beitragen kann, indem es etwas von uns verlangt, was augenscheinlich nicht zu uns passt. Uns dazu überreden will, unsere Würde aufzugeben, uns selbst untreu zu werden. Hilfreich ist eher die Veränderung unserer Wahrnehmung und die Veränderung der Deutung und Interpretation des Wahrgenommenen. Damit verändert sich auch unsere Beziehung, beispielsweise zu uns selbst, zu unserer Arbeit, unserer Vergangenheit, unseren Partnern, Eltern. Zu der Welt, in der wir leben wie auch zu Geld, Erfolg, Beruf.

Welche Wirkung würde es haben, wenn wir unsere Wahrnehmung auf das Gute in anderen Menschen lenken würden? Uns erlauben, immer deutlicher wahrzunehmen, was andere Menschen oder Gruppen Gutes haben? Erspüren und uns bewusst machten, worin ihr Dienst, ihr Wert, ihre Qualität, ihr Beitrag zum Leben liegt?
Wenn wir sie nicht einengend, auf das Defizitäre schauend, sondern als einen Teil von etwas Größerem wahrnehmen? Zu ihnen JA sagend? Ganz genau so wie sie sind? Ohne Ansprüche, ohne Urteile, ohne Vorwürfe? Auf alle einschränkenden Bilder, Haltungen und Empfindungen verzichtend?
Wenn wir auch uns selbst so wahrnehmen würden? Mit Dankbarkeit? Bejahend? Welche Auswirkungen hätte das auf unsere Beziehung zu uns selbst und zu anderen Menschen, zur Welt um uns herum?

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